Mit Zöliakie zum Freiwilligendienst nach Togo (Stand Juni 25)
- leaintogo
- 12. Sept. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Nach meinem Abitur vor einem Jahr habe ich mich für ein Gap Year entschieden, da ich für längere Zeit im Ausland sein wollte, am liebsten auf dem afrikanischen Kontinent. Bei der Vorbereitung hat mich zusätzlich zu Kosten, Sicherheit, möglichen Erfahrungen, etc. noch ein besonderes Kriterium beschäftigt: meine Zöliakie. (Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der die Aufnahme von Gluten (= Eiweiß, das z.B. in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel enthalten ist) zu einer Entzündung der Darmschleimhaut führt. Weitere Infos: https://www.dzg-online.de/was-ist-zoeliakie)
Die Diagnose habe ich vor mittlerweile 11 Jahren erhalten und mit der Zeit gewöhnt man sich an all das, was diese so mit sich bringt. Aber wie würde die glutenfreie Ernährung in einem Land des sog. Globalen Südens funktionieren? Was isst man dort eigentlich? Vermutlich wird es keine Supermärkte mit glutenfreien Ersatzprodukten geben, oder? Und können die Menschen mit dem Begriff „Gluten“ etwas anfangen?
Ich habe es mit googeln probiert - meine Recherchen zu „Zöliakie in Afrika“ waren aber nicht allzu erfolgreich. Auch bei meiner Suche nach Erfahrungsberichten von Zöliakie-Betroffenen habe ich leider kaum etwas gefunden. Dennoch habe ich beschlossen, das Ungewisse zu wagen und einen Freiwilligendienst zu machen. Im Folgenden möchte ich euch nun von meinen Erfahrungen berichten und wer weiß, vielleicht kann ich ja sogar jemandem helfen, der sich in einer ähnlichen Situation wie ich vor einem Jahr befindet… 😊

Togoische Küche - von Natur aus glutenfrei :)
Das Wichtigste vorweg: so ziemlich alle meine Sorgen und Befürchtungen haben sich letztendlich als unbegründet erwiesen!🥳 Hier in Togo (wie auch im Rest von Westafrika) wird nämlich vorwiegend mit von Natur aus glutenfreien Nahrungsmitteln wie Reis, Mais, Maniok, Yams, Bohnen, Süßkartoffeln und Kochbananen sowie mit frischem Gemüse gekocht. Eine Mahlzeit, die nur aus Brot besteht (so wie es in Deutschland üblich ist), gibt es nicht.
Kleiner Funfact: Schwierigkeiten etwas zu essen zu finden hatte ich bisher nur, wenn ich in Restaurants war, in denen es „westliches“ Essen wie Pizza, Pasta, Döner, usw. gibt…
Sowohl an den großen Straßen als auch im Quartier gibt es zahlreiche kleine Stände mit Streetfood, an denen ich glücklicherweise fast alles essen kann.
Morgens werden v.a. Bouillie (Soja-/Maniok-/Maismehl, das mit heißem Wasser und Zucker / Zitronengras / süßer Milch aufgekocht wird), Baniers und Kanklo (frittierte Teigbällchen (mit Banane)) verkauft. Alternativ kann man Brot essen (gibt es fast ausschließlich in der süßen Variante, so ähnlich wie Milchbrötchen habe ich mir sagen lassen). Bis auf Bouillie ist das leider alles nicht glutenfrei.

Im Laufe des Vormittags machen dann die Stände auf, an denen man auch herzhaftes Essen findet. Am allerliebsten esse ich Fufu mit Erdnusssoße. Dazu wird Yams gekocht und anschließend zu Fufu gestampft - die Konsistenz erinnert ein wenig an sehr klebrigen Kartoffelbrei, auch wenn diese Beschreibung dem Essen nicht ganz gerecht wird. Auch Pâte finde ich sehr lecker, welches meist mit Maismehl zubereitet wird. Dazu gibt es unterschiedliche Soßen, z.B. Adémé, die erfreulicher Weise ohne jeglichen Einsatz von Mehl zubereitet werden. Ein anderes Lieblingsessen ist Véyi, welches aus weißen Bohnen mit etwas Öl und Gari (Maniok, in einer Form die Semmelbrösel ähnelt) besteht. Darüber hinaus kann ich auch Attièke sehr empfehlen, welches ein wenig wie Couscous aussieht, aber auf Basis von Maniok hergestellt wird. Als Snack oder Beilage kaufe ich mir auch gerne Sodja (frittierte Soja-Stücke), Alloco (frittierte Kochbananen) und Koliko (frittierte Yams-Pommes).
Manchmal esse ich aber auch eine der vielfältigen Reis-Varianten: Riz blanc (weißer Reis, wird meist mit einer scharfen Tomatensoße gegessen), Riz au gras (Reis, der in einer öligen Tomatensoße gekocht wird), Riz cantonnais (Reis mit Gemüse) oder Ayimolou (Reis mit weißen Bohnen).



Außerdem bin ich ein absoluter Fan der tropischen Früchte: Mango, Ananas, Papaya, Bananen oder Melone. Einen Bissap-Saft (Hibiskus-Saft, z.T. mit Ingwer) oder eine Kokosnuss trinken als Erfrischung für zwischendurch - man könnte meinen, man ist im Paradies!
Auch viele Süßigkeiten, wie bspw. karamellisierte Kokosraspeln, Erdnüsse („in Natur“ oder mit Zuckerhülle (wie gebrannte Mandeln)), andere Snacks auf Erdnussbasis oder Popcorn sind glutenfrei.


Glutenfrei Einkaufen
Da ich in Lomé und somit in der Hauptstadt Togos wohne, habe ich das große Glück, dass es mehrere Supermärkte gibt. Am liebsten gehe ich zum Le Champion, da es hier sogar einige glutenfreie Lebensmittel gibt. Als ich das entdeckt habe, war ich unfassbar glücklich, denn damit hatte ich echt nicht gerechnet! Es gibt Mehl, Nudeln, Madeleines, Butterkekse und Haferflocken (mit getrockneten Früchten oder die Schoko-Variante). Nicht immer ist alles verfügbar und das Sortiment der verschiedenen Filialen unterscheidet sich zum Teil, aber Hauptsache es gibt überhaupt Ersatzprodukte!

Die glutenfreien Lebensmittel sind in Togo noch teurer als sonst, da sie aus Frankreich importiert werden (wie so ziemlich der Rest des Sortiments auch). Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich von meiner Entsendeorganisation einen „Mehrbedarf wegen kostenaufwändiger Ernährung“ genehmigt bekommen habe, wie er z.B. auch BAFÖG-beziehenden Studenten zusteht. Daher bekomme ich mit 75€ monatlich 15€ mehr Verpflegungspauschale als die anderen Freiwilligen.
Glutenfrei Kochen und Backen
Während der Zeit hier in Togo habe ich auch meine Freude am Kochen und Experimentieren in der Küche entdeckt.
Die meisten meiner Lieblingsessen kaufe ich – mit Ausnahme von Fufu, das habe ich schon oft zusammen mit den anderen Freiwilligen gemacht – vorrangig fertig zubereitet an den kleinen Ständen an der Straße. Wenn ich selbst koche, dann meist Reis oder Nudeln und dazu eine Erdnuss- oder Tomatensoße mit Gemüse. Auch Süßkartoffeln und Kochbananen gibt es ab und zu. Koche ich zusammen mit togoischen Freunden, dann essen wir oft Salat oder Pâte.

Da ich einen Omnia (= quasi ein kleiner Backofen, den man auf den Gasherd stellt) habe, habe ich mich auch einige Male an Nudelauflauf, Pizza und Kuchen versucht.

Außerdem habe ich nach wenigen Wochen angefangen, selber Brot bzw. Brötchen zu backen. Auch wenn ich es in Deutschland manchmal ein wenig langweilig fand, dass mindestens eine Mahlzeit pro Tag aus Brot besteht, habe ich dieses Lebensmittel in Togo doch sehr zu schätzen gelernt. Es ist echt schön, wenn ein Essen nicht groß vorbereitet werden muss, man sehr zügig essen kann und am Ende wenig zu spülen hat.

Als meine Familie mich Anfang März besucht hat, haben sie mir neben Keksen, Müsliriegeln und Knäckebrot auch noch jede Menge Brotbackmischungen mitgebracht, welche ich in den letzten Monaten nach und nach gebacken habe.


Ich bin sehr glücklich, dass ich mich getraut habe, in einem mir völlig unbekannten Land zu wohnen und dort einen Freiwilligendienst zu machen. Ich habe in den vergangenen Monaten so viele schöne Momente erlebt, leckeres Essen probiert und zu lieben gelernt, tolle Menschen getroffen und viel über mich selbst gelernt. Meine Zöliakie schränkt mich hier kaum ein – im Gegenteil. Ich habe oftmals sogar das Gefühl, dass es einfacher als in Deutschland ist, da ein Großteil der togoischen Küche von Natur aus glutenfrei ist. Ich kann nur jedem empfehlen, es ebenfalls zu probieren!
Infos zu Freiwilligendiensten und anderen Arten von Auslandsaufenthalten, wie Work&Travel, Au-pair-Aufenthalte, Praktika, Workcamps oder Sprachkurse, findet ihr beispielsweise hier: https://www.rausvonzuhaus.de



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