Woezon loo le Allemagne!
- leaintogo
- 2. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Am 1. Juli hieß es Woezon loo le Allemagne! (= Willkommen in Deutschland!). Das ist heute genau 185 Tage her - verrückt wie schnell die Zeit vergangen ist! Manchmal kommt es mir so vor, als sei ich gestern erst in Frankfurt aus dem Flieger gestiegen...
Ich weiß noch genau wie seltsam es war, plötzlich wieder so viele Gespräche um mich herum zu verstehen, ohne aktiv zuzuhören. Solange ich mich nicht auf das Gesagte konzentriere, sind Fremdsprachen wie Französisch oder Éwé für mich vielmehr „Hintergrundgeräusche“. Auch zu wissen, dass ab sofort die Leute um mich herum wieder alles verstehen, wenn ich (auf Deutsch) telefoniere, war erst mal ein komischer Gedanke.
Auf der Heimfahrt vom Flughafen musste ich mich wieder daran gewöhnen, wie erschreckend geordnet und schnell die Autos auf einer so gut ausgebauten Straße wie der Autobahn unterwegs sind. Außerdem hatte ich während der Fahrt in unserem VW-Bus so viel Bein- und Bewegungsfreiheit wie schon seit sehr langer Zeit nicht mehr.
Am anstrengendsten fand ich die Umstellung zurück auf das mitteleuropäische Klima. Weder die Hitze in den ersten Tagen (man möchte meinen, ich sei hohe Temperaturen mittlerweile gewohnt, aber aufgrund der anderen Luftfeuchtigkeit, etc. ist es eine ganz andere Hitze) noch die kühlen Sommertemperaturen in den Wochen danach waren besonders angenehm. Ich habe ständig gefroren und es vermisst, sowohl bei Tag als auch bei Nacht in T-Shirt und kurzer Hose rausgehen zu können, ohne einen Pulli mitnehmen zu müssen.

Okay, ehrlich gesagt habe ich mir in Togo manchmal nichts sehnlicher gewünscht, als ein bisschen zu frieren, um mir einen warmen Hoodie anziehen oder mich unter einer kuschligen Decke im Bett verkriechen zu können...
Neben der Umstellung auf das andere Klima hat es auch eine ganze Weile gedauert, bis sich mein mit dem Sonnenstand verbundenes Zeitgefühl an die langen Sommertage angepasst hat. In Togo ist die Sonne bereits gegen 18 Uhr untergegangen und die Dämmerung war (aufgrund der Nähe zum Äquator) deutlich kürzer. Der späte Sonnenuntergang war dementsprechend sehr ungewohnt - aber auch sehr schön!

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." (Hermann Hesse)
Mit diesem Zitat wollte ich ursprünglich meinen ersten Blogbeitrag auf dieser Webseite beginnen. Es kam in einer Rede bei meinem Abiball vor und hat mir sofort gut gefallen.
Der erste Artikel hat zwar dann eine Überschrift zum Thema „Vorbereitungen“ bekommen, der Entwurf (der zugegebener Maßen nur aus der Überschrift bestand) ist aber all die Wochen und Monate in meinen Entwürfen gespeichert geblieben. Ich finde das Zitat so schön, dass ich mich nicht überwinden konnte, es in den Papierkorb zu verschieben...
Und jetzt ziert es als Zwischenüberschrift diesen vorerst letzten Artikel.😊
Seit Oktober wohne ich in Freiburg, wo ich angefangen habe, Informatik zu studieren. Ich fühle mich hier sehr wohl und freue mich, dass ich wieder viele Wege mit dem Fahrrad zurücklegen kann - das habe ich in Lomé echt vermisst. Außerdem ist Freiburg eine tolle Stadt mit viel Natur drumherum.


Über meinem Bett hängt die Togo-Flagge und lässt mich jedes Mal mit einem Lächeln an das wohl aufregendste Jahr meines Lebens zurückdenken. Es fällt mir nach wie vor schwer, eine Antwort auf die Frage „Und, wie war’s?“ zu geben, denn ein Jahr ist eine verdammt lange Zeit! Im letzten Jahr habe ich so unfassbar viel erleben, sehen, ausprobieren und lernen dürfen, wofür ich sehr dankbar bin!
Ein ganz großes DANKESCHÖN an all die vielen lieben Menschen, die mich bei meiner Reise begleitet und unterstützt haben! Ihr seid toll!!!❤️



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