"Míagadogo loo!"👋🏻 🇹🇬 🛫 🇩🇪
- leaintogo
- 27. Okt. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Abschiednehmen vom Foyer Antonio (13./14.06.2025)
Bevor ich montags mit Celina zu unserer Reise nach Sokodé und Kara aufgebrochen bin, war es an der Zeit, mich von meiner Einsatzstelle zu verabschieden. Die meisten Mädchen hatten ihre Prüfungen bereits geschrieben und würden am Ende des Wochenendes nach Hause (zu ihrer Familie / Verwandten / Freunden) fahren, wo sie die Sommerferien verbringen würden. Ich habe ein letztes Mal dort übernachtet und noch mal eine sehr intensive Zeit mit "meinen Mädels" verbringen zu dürfen.
Zur Feier des Tages hatte ich bei einem kleinen Restaurant Attièke fürs Mittagessen bestellt und mein Fahrer war so lieb, die Bestellung abzuholen und ins Foyer zu bringen. Attièke hatte ich erst vor Kurzem für mich entdeckt und da man es bspw. kaum als Streetfood findet, freue ich mich über jede Gelegenheit, den "ivorischen Couscous" (das Gericht stammt aus der Elfenbeinküste und erinnert an Couscous, wird aber aus fermentierter, geriebener Maniokwurzel hergestellt) zu essen.

Für den Sortie am Abend - statt wie sonst selbst zu kochen sind wir auswärts (in einer Bar) Essen gegangen - haben sich alle richtig herausgeputzt. Natürlich durfte ein kleines Fotoshooting da nicht fehlen!

Als wir wieder zurück waren, haben wir uns unter dem Vordach versammelt und ich habe eine ganz kleine Rede gehalten, in der ich mich für die wunderschöne Zeit, die ich mit ihnen im Foyer Antonio erleben durfte, bedankt habe. Anschließend habe ich meine Abschiedsgeschenke überreicht: Für die jüngeren Mädchen hatte ich in der vergangenen Woche Springseile besorgt, für die älteren Nagellack und Bandana-Tücher. Außerdem haben sowohl die Mädchen als auch die Mamans, die Directrice und der Président als Andenken ein Fotobuch (mit Bildern, die ich während dem Jahr gemacht habe) bekommen.

Am nächsten Tag wurden die Springseile ausgiebig getestet und unzählige Male wurde ich mit "Tata, faut regarder!" dazu aufgefordert, auch ja hinzusehen. Auch der Nagellack ist sehr gut angekommen und am Ende des Vormittags waren nicht nur die Nägel der Mädchen, sondern auch meine bunt lackiert.

Zum Glück musste ich mich nach dem Mittagessen noch nicht ganz verabschieden, da ich am nächsten Tag noch einmal gekommen bin - um mit Celina und den Mädchen ein letztes Mal Einrad zu fahren.

Die Geschenke und das leckere Essen sowie der Sortie wären ohne die Unterstützung meines lieben Spenderkreises nicht möglich gewesen. Daher möchte ich mich noch mal von ganzem Herzen, auch im Namen der Mädchen und meinen Kolleg:innen, bei allen Spender:innen bedanken.🫶🏻
Die zwei Tage waren ein sehr gelungener Abschluss eines wunderbaren gemeinsamen Jahres!
Ich habe übrigens ein Video über meine Arbeit im Foyer Antonio gedreht :) 👉 https://www.instagram.com/reel/DNDSWdft73T/?igsh=MWl5ZzAwM3c3azlkag==

Abschiedsfeier mit den Freunden (24.06.2025)
Da Celina und ich ungefähr zur gleichen Zeit zurück nach Deutschland geflogen sind und wir viele gemeinsame Freunde während dem Jahr kennengelernt haben, haben wir beschlossen, unseren Abschied zusammen zu feiern. Aufgrund der etwas aufgeheizten politischen Lage und der erneuten Ankündigung von Protesten (s. aktuelle Proteste), haben wir die Feier vorsichtshalber vorgezogen. Daher fand sie einen Tag nach unserer Rückkehr von der Reise nach Sokodé und Kara statt, weshalb alles ein wenig spontan und stressig war. Trotzdem war es ein wundervoller Abend!
Nachmittags haben wir alle ins Harmonie Signature zum Bowling eingeladen. Das Harmonie Signature ist eine große Freizeitanlage mit verschiedenen Sportplätzen, Freibad, Spielplatz sowie einem Restaurant. Ich war an diesem Tag das erste Mal dort und entsprechend geflasht vom Anblick. Es fiel mir schwer zu begreifen, dass ich immer noch in Lomé bin: Eben noch bin ich auf dem moto durch die trubeligen und eben "typisch-togoischen" Straßen Lomés gefahren. Und dann stehe ich dort, bin umgeben von Menschen unterschiedlichster Nationen und sehe so viele Yovos (Bezeichnung von "Weißen" auf Éwé) auf einmal wie schon sehr lange nicht mehr.

Nach dem Bowling sind wir zu Celinas Gastfamilie gefahren, wo wir auf der Dachterrasse zu Abend gegessen - es gab super leckeres Attièke - und ausgiebig gefeiert haben. Es wurde Karaoke gesungen und - wie könnte es anders sein - ganz viel getanzt.
Der Abend war unfassbar schön und ich war sehr froh, dass ich noch eine Woche Zeit hatte, bis es tatsächlich "Míagadogo loo" (= 'Auf Wiedersehen' auf Éwé) hieß...


Abschiedsessen beim Judo (25.06.2025)
Anlässlich unseres baldigen Abflugs hatte unser Trainer Celina und mich sowie die anderen Judokas nach dem Training zum Abendessen eingeladen. Vor dem Essen (zufälliger Weise gab es auch dieses Mal Attièke) hat der Trainer einige Worte gesagt. Es sei etwas wirklich Besonderes, dass wir (zwei Freiwillige) bei ihnen im Verein angefangen haben zu trainieren und wir seien jederzeit herzlich willkommen. Auch Celina und ich haben uns bei den anderen für die wunderschöne Zeit bedankt, die wir bei/mit ihnen hatten. (Hier geht's zum Artikel übers Judo: 👉 https://leaintogo.wixsite.com/lea-in-togo/post/meine-erste-judo-g%C3%BCrtelpr%C3%BCfung-17-05-25)


Abflug (30.06.25)
Heute hieß es packen, packen, packen. Ich wusste, dass die Directrice noch vorbeikommen würde, um mir mein Certificat de volontariat zu geben. Was ich nicht wusste: Die drei Mamans würden ebenfalls kommen, um mich persönlich zu verabschieden. Plötzlich hatte ich also vier Gäste auf meinem Balkon, die darauf bestanden haben, mich zum Mittagessen einzuladen - und das obwohl noch keiner meiner Koffer gepackt war. Nach einiger Überzeugungsarbeit meinerseits haben wir uns darauf geeinigt, dass wir an meinem Lieblingsstand véyi holen (das war nämlich mein ursprünglicher Plan fürs Mittagessen). Ich liebe dieses Essen, aber in den Augen der Mamans war es wahrscheinlich zu "gewöhnlich". Nach dem Essen haben die Directrice und die Mamans sich nochmal für mein Engagement sowie die gute Zusammenarbeit während dem Jahr bedankt. Als Dankeschön haben sie mir einen pagne (= die bunten Stoffe, aus denen z.B. die Kleider sind, die wir tragen (s. Bild unten)) sowie Cashew-Nüsse (für meine Eltern) und gebatikte T-Shirts (für meine Geschwister) geschenkt. Eine sehr süße Geste!

Ich bin sehr froh, dass Celina an dem Tag da war und mich unterstützt hat! Es war nämlich ziemlich stressig, die Koffer auf das richtige Gewicht zu packen (einiges musste leider dableiben) und pünktlich am Flughafen zu sein. Ich war wahrscheinlich selten so erleichtert wie in dem Moment, als mein Gepäck am Schalter akzeptiert wurde!
Neben Celina haben mich auch Kommson und Yannick (zwei togoische Freunde) zum Flughafen begleitet. Viel zu bald musste ich mich von meinen Freunden verabschieden. Aber ich habe mich auch sehr auf das Wiedersehen mit meiner Familie gefreut, sodass ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge, unfassbar vielen Erinnerungen und der Gewissheit, eines Tages wiederzukommen, ins Flugzeug gestiegen bin...




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