Ghana-Reise (26.01. - 07.02.25) - Teil 2: Urlaub
- leaintogo
- 27. Juni 2025
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Okt. 2025
Nach der Seminar-Woche habe ich noch eine Woche Urlaub in Ghana gemacht. Zuerst habe ich mit drei anderen Freiwilligen ein paar Tage in Cape Coast verbracht, im Anschluss sind wir noch nach Busua gefahren.
Cape Cost
In Cape Coast haben wir zum Beispiel das Cape Coast Castle besichtigt. Dieses war die größte Sklavenburg Westafrikas und ist heute auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe zu finden. Heutzutage geht man davon aus, dass während dem 400 Jahre andauernden transatlantischen Sklavenhandel etwa 40 Millionen Afrikaner verschleppt wurden. Allerdings überlebte nur ein Viertel von ihnen die Gefangennahme, die Verschleppung innerhalb Afrikas und schließlich die Überfahrt nach Amerika.
Allein vom Cape Coast Castle aus wurden zwischen zwei und vier Millionen Menschen nach Amerika deportiert (wobei lediglich die Überlebenden gezählt werden). Lokale Stammesoberhäupter und adlige Familien lieferten anfangs vor allem Verbrecher und Kriegsgefangene verfeindeter Stämme im Austausch gegen andere Güter (z.B. Waffen, Alkohol, Tabak) an die europäischen Sklavenhändler aus. Mit der Zeit fielen der Sklaverei allerdings auch ganze Dörfer zum Opfer. Die Menschen, die aus allen Teilen des Landes und sogar den Nachbarländern stammten, mussten den teils weiten Weg an die Küste zu Fuß bewältigen.
Im Jahr 1555 errichteten die Portugiesen das Cabo Corso, welches als Lager für Exportware (v.a. Gold, daher auch der Name Gold Coast (so wurde Ghana vor seiner Unabhängigkeit 1957 genannt)). In den folgenden 200 Jahren wurde das Fort erweitert und wechselte mehrfach die Besitzer. Ab 1637 diente es dann als Sammelstelle für Sklaven vor der Überfahrt in die Neue Welt.

Im Rahmen einer Führung haben wir uns zuerst die Dungeons (= Verließe) angesehen. In fünf Hallen wurden jeweils 150 bis 200 Menschen auf kleinstem Raum zusammengepfercht. Da sich die Dungeons unter der Erde befanden und es lediglich unterhalb der Decke kleine Öffnungen gab, war es dort sehr dunkel und die Frischluftzufuhr nur bedingt gewährleistet. Die Gefangenen mussten zwischen zwei Wochen und drei Monaten in ihrem Urin, Kot, Blut und Erbrochenen ausharren, während sie auf ihre Verschiffung nach Amerika gewartet haben. In dieser Zeit starben viele - an Krankheiten, sie erstickten aufgrund der mangelnden Luftzufuhr oder in der Todeszelle (Einzelhaft mit dem Ziel, dass der Gefangene verhungert bzw. verdurstet oder erstickt, weil er Widerstand geleistet hatte).
Die verschiedenen Ausscheidungen haben über die Jahrzehnte hinweg eine dunkle Schicht auf den Pflastersteinen der Höhle hinterlassen, die bis heute erhalten ist. An die Wände gelehnt sieht man Kränze und Blumen, die Angehörige gebracht haben, um ihren Vorfahren zu gedenken.
Als nächstes haben wir die Räume für die Offiziere besichtigt (darunter Schlafzimmer, Wohnungen und Büros), die im oberen Teil des Gebäudes untergebracht waren. Diese stehen in krassem Gegensatz zu den Dungeons, da sie hell und einladend gestaltet sind und es sich dort recht luxuriös leben ließ. Was ich als besonders absurd empfunden habe: es gab im oberen Stockwerk sogar eine Kirche...
Zum Schluss sind wir durch die sog. Door of no return (= Tor ohne Wiederkehr) gegangen, der letzten Passage für die Sklaven, bevor es über den Atlantik in die Neue Welt ging.
Quellen:
https://en.wikipedia.org/wiki/Cape_Coast_Castle#:~:text=In%20exchange%20for%20gold%2C%20mahogany,this%20barter%20trade%20took%20place.
Außerdem sind wir in den Kakum National Park gefahren, einem der bekanntesten Nationalparks Ghanas. Dort gibt es den Canopy Walkway, einen Baumwipfelfad, bei dem man auf bis zu 45m hohen Hängebrücken über den tropischen Regenwald läuft. Bei diesem sehr eindrucksvollen Spaziergang konnte ich die vielen unterschiedlichen Bäume bewundern, die sich bis zum Horizont zu erstrecken scheinen.

Trotz der frühen Uhrzeit war der Nationalpark bereits gut besucht und wir umgeben von anderen Touristen (v.a. aus Ghana aber auch anderen westafrikanischen Ländern oder Europa). Wir haben uns bewusst ein wenig zurückfallen lassen, um die Natur und die wunderbare Aussicht von dort oben genießen zu können. Als wir am Ende der insg. sieben Hängebrücken ankamen, war uns schon die nächste Gruppe dicht auf den Fersen.

Anschließend haben wir zusammen mit zwei Franzosen einen geführten Rundgang durch den Regenwald gemacht (ca. 45min), bei dem uns ein Ranger bestimmte Bäume und ihre Verwendungsmöglichkeiten nähergebracht hat. So gibt es beispielsweise den Elefantenkratzbaum oder den Umbrella-Tree, der große Mengen an Wasser speichern kann. Vor allem seien alle Bäume aber „very strong“ (= sehr stark) und man könne aus dem Holz Kanus, Möbel, etc. herstellen.



Darüber hinaus haben wir drei Freiwillige (die ebenfalls auf unserem Zwischenseminar waren) in ihrem Projekt ein wenig außerhalb von Cape Coast besucht. Bei der Baobab Children Fondation handelt es sich um ein Internat, in dem es neben dem normalen Schulunterricht auch die sog. Workshops gibt, in denen die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel Nähen, Batiken und Weben lernen oder im Schulgarten bzw. in der Zimmerei arbeiten können.

Einmal im Monat fahren alle Schüler eine Woche lang täglich zur Schulfarm, wo sie den Anbau von beispielsweise Moringa und Yams erlernen.
Zu der Schule gehört das Baobab-Haus, welches sich in der Altstadt Cape Coasts, in der Nähe des Cape Coast Castles, befindet. Neben einem Guesthouse beherbergt das Baobab-Haus auch ein Restaurant, in dem die Erzeugnisse der schuleigenen Farm zubereitet werden (sehr lecker, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann).

Außerdem werden in einem kleinen Shop Kunstgegenstände verkauft, wie zum Beispiel in pagne eingeschlagene Notizbücher oder Batik-Stoffe, welche die Schüler im Batik-Workshop herstellen. Mithilfe dieser Einnahmen wird die Schule zum Teil mitfinanziert, da dort insbesondere Kinder aus benachteiligten Familien oder mit Handicap aufgenommen werden, die kein / wenig Schulgeld zahlen müssen.

Mir hat unser Aufenthalt in Cape Coast gut gefallen. Je nach Stadtteil hat mich das Flair sogar ein wenig an die Städte am Mittelmeer erinnert, in denen ich schon war.


Nichtsdestotrotz zeigt sich aber auch hier das Bild, welches ich aus Lomé gewohnt bin: Straßen, an deren Rändern sich der Müll sammelt, Menschen, die unter sehr einfachen Bedingungen wohnen und bettelnde Kinder am Strand…

Busua
Nach einigen spannenden und ereignisreichen Tagen in Cape Coast ging es mit dem TroTro (= Minibusse mit meist fünf engen Sitzreihen, sodass Beinfreiheit quasi nicht existiert) weiter nach Busua. Das ist eine kleines Fischerdorf, eher im Westen Ghanas, welches entlang einer Bucht am Meer liegt. Wir haben einen Platz im Schlafsaal eines süßen Hotels gefunden, das am westlichen Ende des Dorfs liegt. Zwar nicht direkt am Strand, sondern hinter einer kleinen Lagune, dafür aber sehr ruhig und entspannt.


Das Besondere an diesem Dorf - und einer der Hauptgründe für mich hier herzukommen - ist, dass man Surfen kann. Meer und Wellen gibt es auch an den togoischen Stränden - aber leider keine Möglichkeit ein Surfboard auszuleihen.

Während ich mich am ersten Tag alleine mit einem geliehenen Board in den Wellen vergnügt habe, habe ich mir am zweiten eine Unterrichtsstunde gegönnt. Eine Stunde kam mir noch nie so lang vor wie an diesem Tag - es war nämlich unfassbar anstrengend! Gleichzeitig hatte ich aber auch die beste Surf-Session meines Lebens, mit einer unglaublich hohen Quote an gesurften Wellen.🥰 Allein die Starthilfe des Surflehrers (Welle raussuchen und Board anschubsen) hat sehr viel gebracht. Außerdem hat er angesagt, ob ich die Welle nach rechts oder links surfen soll und mir Tipps gegeben, wie ich das Anpaddeln und meinen Take-off (= das Aufstehen) verbessern kann.

Nach der kurzen aber wundervollen Zeit in Busua hieß es Abschied nehmen und zurück nach Hause fahren. Da Busua eher im Westen Ghanas liegt (und der Stau und die Qualität der Straßen das Vorankommen ein wenig behindern), hatten wir eine ganz schön lange Fahrt vor uns. Glücklicherweise kamen wir gut voran und waren abends nach etwa 12h Fahrt an der Grenze. Der restliche Weg nach Hause war im Vergleich zu der bereits zurückgelegten Strecke keine große Sache mehr. Dennoch hat es eine Weile gedauert, da wir erst mal einen Taxifahrer finden mussten, der keinen absurd hohen Preis verlangt hat.

Während der zwei Wochen in Ghana habe ich leider nur einen kleinen Teil des Landes kennenlernen dürfen. Dennoch würde ich gerne einige Gedanken mit euch teilen, die mir im Hinblick auf Unterschiede zu Togo im Kopf geblieben sind.
Zu allererst ist mir aufgefallen, dass eine deutlich größere Zahl an Straßen befestigt ist - auch wenn man bei manchen das Gefühl hat, dass sie mehr aus Schlaglöchern als aus Straße bestehen. Außerdem wird gerade in der Hauptstadt Accra der Fortschritt (bzw. der Einfluss des Westens) sichtbar: Zum einen gibt es dort deutlich mehr Hochhäuser und schicke Villen, zum anderen hat man beispielsweise mit der Accra Mall die Möglichkeit, in Geschäften shoppen (Deichmann, Decathlon, Levi‘s, Sony) oder Restaurants essen zu gehen (Burger King, KFC, Pizza Hut), die es in Deutschland auch gibt - so etwas findet man in Togo nicht.
Wenn man umherläuft, wird man - so wie auch bei uns - vor allem von den Kindern begrüßt, die teilweise vor Begeisterung auf und ab hüpfen. Allerdings hört man hier „Aubronie bye bye“ statt „Yovo, yovo bonsoir“. Das Streetfood unterscheidet sich ebenfalls von dem in Togo, zum Beispiel gibt es hier deutlich mehr Nudeln und insbesondere die sog. Indomie-Nudeln (Instant-Nudeln, oft angebraten) scheinen sehr verbreitet zu sein. Dadurch hat es sich für mich teilweise schwierig gestaltet, etwas zu essen zu finden. Leider gibt es auf den Straßen auch jede Menge Müll. Das ist in Togo nicht anders, aber hier in Ghana sind mir vor allem die Plastikflaschen (bei uns gibt es eher sachets (Trinkpäckchen, s. Der erste Tag in Lomé (10.09.24)) und die Styroporboxen aufgefallen.



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