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Reise nach Sokodé und Kara (16. - 23.06.25)

Zum Ende meiner Zeit in Togo stand noch eine Reise an, auf die ich mich schon lange gefreut hatte: Mit Celina ging es in den Norden Togos, nach Sokodé und Kara.


Sokodé (16./17.06.25)

Mit einem Bus von Nagodé ging es morgens um 6 Uhr los nach Sokodé - die zweitgrößte Stadt Togos, etwa 6h von Lomé entfernt. Nagodé ist ein togoisches Busunternehmen, mit dem man sowohl auf der Nord-Süd-Achse durch Togo als auch auf der Ost-West-Achse nach Ghana oder bis in die Elfenbeinküste fahren kann. Es handelt sich um große Reisebusse, mit denen die Fahrt für togoische Verhältnisse unheimlich komfortabel ist. Sie sind pünktlich (und das ist etwas Besonderes hier!), jeder Passagier kauft eine Fahrkarte (die Preise sind fix und günstig) und hat einen eigenen Sitz. Darüber hinaus gibt es eine Klimaanlage und es wird sogar kontrolliert, ob alle Fahrgäste angeschnallt sind!!

Auf halber Strecke gab es eine kurze Pause in Atakpamé, während der man auf Toilette gehen und Essen sowie Getränke kaufen konnte.

Unser Frühstück: v.l.n.r. ablo (süßer Reisteig), frittierter Käse, Bananenchips, Bananen - sehr lecker!
Unser Frühstück: v.l.n.r. ablo (süßer Reisteig), frittierter Käse, Bananenchips, Bananen - sehr lecker!

In Sokodé waren wir zwei Tage und haben Ronja, ebenfalls eine Freiwillige, die in Sokodé wohnt, besucht. Da sie arbeiten musste, haben wir uns tagsüber zu zweit die Stadt angeschaut und waren z.B. auf dem Markt. Dieser Grand Marché ist im Vergleich zu dem in Lomé sehr viel kleiner und entspannter. Auch dem Weberzentrum und der Kirche haben wir einen Besuch abgestattet. Außerdem waren wir bei Soumeya, einer Freundin von Ronja, die eine äußerst talentierte Schneiderin ist. Celina und ich hatten einige pagne (bunte Stoffe) aus Lomé mitgebracht und darüber hinaus noch welche auf dem Markt gekauft, aus denen wir uns Hosen, Röcke, Blusen und Kleider schneidern lassen wollten.




Kara (18. - 21.06.25)

Nach den zwei Tagen in Sokodé ging es am Mittwoch erneut sehr früh mit dem Bus weiter nach Kara. Dieses Mal war die Fahrt mit etwas mehr als einer Stunde deutlich kürzer, sodass wir bereits am frühen Vormittag an unserem Ziel waren. In Kara angekommen, haben wir uns direkt auf den Weg ins Hotel gemacht. Nach einem kleinen Frühstück, haben wir uns auf eine Erkundungstour durch die Stadt begeben. Unser Weg hat uns zuerst über den Ancien Marché geführt, bevor wir weiter zum Place de la Victoire gegangen sind. Dort befindet sich ebenfalls der Palais des Congrès de Kara und eine Statue von Eyadéma Gnassingbé, dem Vorgänger (und Vater) des aktuellen Präsidenten Togos.

links: Palais des Congrès de Kara mit Statue von Eyadéma Gnassingbé, rechts: Place de la Victoire
links: Palais des Congrès de Kara mit Statue von Eyadéma Gnassingbé, rechts: Place de la Victoire

Nach dem Mittagessen sind wir zum Musée AfricArt gegangen, in dem Masken und Skulpturen aus verschiedenen Ländern Afrikas ausgestellt sind. Beides ist oftmals Teil religiöser Rituale, wie zum Beispiel im Voodoo-Glauben (s. auch Benin-Reise mit Voodoo-Festival (08. - 12.01.25): https://leaintogo.wixsite.com/lea-in-togo/post/benin-reise-mit-voodoo-festival-08-12-01-25). Die Masken können Vorfahren symbolisieren aber auch als Schutz für ein Haus bzw. Dorf dienen. Besonders spannend fand ich, dass für die gläubigen Menschen, die eine Maske tragen, der Begriff „Maske“ nicht nur diese an sich meint. Stattdessen umfasst er auch die Tänze sowie die Verwandlung, die beim Anlegen der Maske und dem Kostüm mit dem Träger stattfindet.

Danach haben wir noch einen Abstecher zur Uni gemacht, der einzig anderen in Togo neben der Uni in Lomé.

Statue auf dem Gelände der Université de Kara
Statue auf dem Gelände der Université de Kara

Obwohl Sokodé die zweitgrößte Stadt Togos ist, fließt nach Kara deutlich mehr Geld. Sichtbar wird das bspw. anhand der Vielzahl von (neu) asphaltierten Straßen, dem neuen Krankenhaus (schräg gegenüber vom Uniklinikum in Kara), etc. Man munkelt, dass das damit zusammenhängt, dass der aktuelle Präsident Faure Gnassingbé aus dieser Region stammt.

neue Straße in Kara
neue Straße in Kara


Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug nach Bafilo gemacht, einem kleinen Örtchen etwa 30min von Kara entfernt. Wir haben uns das Weberzentrum angeschaut und anschließend habe ich für meine Eltern einen Tischläufer gekauft, der dort gewebt wurde.

Anschließend sind wir zur Cascade de Sara gefahren. Das war ein wenig abenteuerlich, da unser moto Fahrer - wie sich allerdings erst auf dem Weg dorthin herausstellte - gar nicht so genau wusste, wie man denn dort hinkommt und der Weg teilweise sehr steil und kaum zu befahren war.

r.o. Cascade, l.u. steile Treppe hoch zur Cascade, r.u. Ausblick
r.o. Cascade, l.u. steile Treppe hoch zur Cascade, r.u. Ausblick

Den Rückweg nach Bafilo (1h) haben wir zu Fuß zurückgelegt
Den Rückweg nach Bafilo (1h) haben wir zu Fuß zurückgelegt


Am Freitag stand meiner Meinung nach der coolste Ausflug auf dem Programm. Nach harter Verhandlung hatten wir ein Auto gemietet, das uns zum Sarakawa-Park gefahren hat. 

Kurzer Tankstopp an der Straße
Kurzer Tankstopp an der Straße

Bevor die Safari gestartet hat, haben wir uns die Straußen, eine „sehr alte“ Schildkröte und ein Krokodil angesehen.

Mit einem Jeep ging es anschließend etwa eine Stunde durch den Park, während der wir ziemlich viele Tiere bestaunen konnten. Neben Büffeln und Gnus gab es zum Beispiel noch Antilopen. Die Tiere sind an die Touristen gewöhnt, denn sonst hätten wir niemals so nah an sie heranfahren können!

oben: Büffel, l.u.: Antilopen, r.u.: Gnus
oben: Büffel, l.u.: Antilopen, r.u.: Gnus

Danach sind wir direkt weiter zum Reserve de Djamdè gefahren. In unserem gemieteten Auto ging es etwa 7km über eine seeehr holprige Piste bis zu einer kleinen Ansammlung von Häusern. Dort haben uns die Ranger ein wenig über die Geschichte des Parks erzählt, der 2003 eröffnet wurde. Dann kamen plötzlich zwei Elefantendamen um die Ecke - was mich echt überrumpelt hat, da ich nicht gedacht hätte, dass sie frei zwischen den Häusern umherlaufen würden. Wir durften die Elefanten füttern und waren sehr froh, dass wir noch einige Bananen und -schalen im Rucksack hatten. Ansonsten hätten wir Kekse bei den Wärtern kaufen können, was wir aber auf keinen Fall wollten.

Nach dieser wirklich tollen Erfahrung ging es in eine andere Ecke des Parks zu den Löwen. Dieses Mal haben wir bei der Fütterung zugesehen und die langen so wie auch spitzen Zähne der prachtvollen Raubtiere bewundert. Zu unserer großen Freude gab es auch noch drei Jungtiere (< 1 Jahr), die sehr putzig aussahen.

oben: Vater, Mutter, Kind
oben: Vater, Mutter, Kind

Der heutige Ausflug war einer meiner Highlights, auch wenn er im Vergleich zum Rest der Reise seeehr teuer war: knapp 50€ p.P., die Hälfte davon fürs Auto. Außerdem hat er mich nachdenklich gestimmt. Die Tiere sind zwar nicht direkt wie in einem Zoo untergebracht, sie leben aber auch nicht in freier Wildbahn. Auf diese Weise konnten wir viele von ihnen sehen, ungewöhnlich nah herankommen und sogar füttern. Aber zu welchem Preis? Wenn der Jeep bei der Safari so nah an die Tiere heranfährt, sind die Tiere dem Motorenlärm, den Abgasen und dem dadurch verursachten Stress ausgesetzt. Die Elefanten werden von den Touristen teilweise mit Keksen gefüttert. Auch hier kann ich mir nicht vorstellen, dass das allzu gesund ist. Gleichzeitig bringen die Eintrittsgelder aber vermutlich auch die dringend benötigten Summen zusammen, um die Tiere (zumindest die Löwen) mit Nahrung zu versorgen und die Tierpfleger zu bezahlen.



Den letzten Tag in Kara haben wir etwas entspannter gestaltet. Vormittags haben wir uns Henna-Tattoos machen lassen. Das hat perfekt gepasst, da es zum ersten Mal diese Woche - was sind wir zwei nicht für Glückspilze! - geregnet hat.

Nachmittags haben wir es uns in unserem Hotelzimmer bequem gemacht. Abends sind wir dann zur Feier des Tages essen gegangen - nicht an einen Streetfood-Stand, sondern in einem Restaurant, in dem es auch europäische Gerichte wie Pizza gab.

links: Koliko (Yams-Fritten) mit légumes sautés, rechts: Celinas Pizza
links: Koliko (Yams-Fritten) mit légumes sautés, rechts: Celinas Pizza



Sokodé (22./23.06.25)

Auf dem Rückweg nach Lomé haben wir noch mal für eine Nacht Halt in Sokodé gemacht. Schließlich mussten wir ja unsere geschneiderten pagne abholen. Äußerst spontan sind wir dann noch auf eine Hochzeit eingeladen worden, bei der wir unsere neuen Anziehsachen direkt einweihen konnten.

Hochzeitszeremonie - die Braut wird mehrfach um den Stuhl herum geführt (l.) bzw. sitzt auf diesem (r.)
Hochzeitszeremonie - die Braut wird mehrfach um den Stuhl herum geführt (l.) bzw. sitzt auf diesem (r.)

Es wurde sehr viel getanzt, lecker gegessen und noch mehr getanzt...

oben: v.l.n.r. ich, Celina, Soumeya (die Schneiderin), Ronja, unten: Hochzeitsgesellschaft
oben: v.l.n.r. ich, Celina, Soumeya (die Schneiderin), Ronja, unten: Hochzeitsgesellschaft

Vielleicht ist euch auf den Bildern aufgefallen, dass nahezu alle Frauen Kopftücher tragen. Das liegt daran, dass das Brautpaar muslimisch ist und die eingeladenen Familienangehörigen ebenfalls. Aber auch auf den Straßen in Sokodé und Kara haben wir viele Frauen mit Kopftuch gesehen, da der Norden Togos muslimisch geprägt ist - im Gegensatz zum Süden, in dem eher das Christentum verbreitet ist. Die Kopftücher gibt es in unterschiedlichen Varianten - bunte Stoffbahnen (pagne) passend zur Kleidung, die um den Kopf gewickelt werden, oder ganz „klassische“, wie man sie auch in Deutschland schon gesehen hat. An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass die erste Variante nicht nur von muslimischen Frauen getragen wird. Ist ja schließlich auch echt schick, von Kopf bis Fuß in aufeinander abgestimmten Farben gekleidet zu sein…



Am nächsten Tag ging es für uns wieder zurück nach Lomé. Es war schön nach Hause zu kommen, wieder bekannte Straßen und gewohnte Gerüche um sich zu haben. Außerdem habe ich gemerkt, wie vertraut sich Éwé mittlerweile für mich anhört - auch wenn ich nur sehr wenig verstehe - im Gegensatz zu Kabyè oder Kotokoli (zwei der Lokalsprachen, die im Norden Togos gesprochen werden und uns während unserer Reise begleitet haben).

Diese Woche voll neuer Eindrücke, spannender Erlebnisse und teils lustiger, teils nervenaufreibender Begegnungen war ein wunderschöner Abschluss meiner intensiven Zeit hier in Togo! Nun habe ich noch eine Woche in Lomé, bis es für mich heißt: „Au revoir! Miagadogo loo!“

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